Zum Inhalt springen
REAL LIFE INTELLIGENCE

Finanzen & Investieren

ETF auswählen: TER, Fondsdomizil, Replikation und Ausschüttung erklärt

RatgeberEinsteiger

Stand:

Wie du ETFs sinnvoll vergleichst und TER, Tracking Difference, Fondsdomizil, Replikation, Ausschüttung, Währung und Liquidität richtig einordnest.

Wer nach einem ETF sucht, wird schnell mit einer grossen Zahl ähnlicher Produkte konfrontiert. Zwei ETFs können fast gleich heissen, denselben Markt abdecken und trotzdem unterschiedliche Kosten, Fondsdomizile, Replikationsmethoden oder Ausschüttungsarten haben.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht einfach:

Welcher ETF ist der beste?

Sinnvoller ist:

Welcher ETF bildet die von mir gewünschte Anlagestrategie möglichst passend, effizient und nachvollziehbar ab?

Der wichtigste Schritt findet dabei vor dem eigentlichen ETF-Vergleich statt: Zuerst bestimmst du, welchen Markt beziehungsweise welchen Index du abbilden möchtest. Erst danach vergleichst du Produkte, die tatsächlich dasselbe oder zumindest ein sehr ähnliches Anlageziel verfolgen.

Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du ETF-Kandidaten systematisch beurteilst und welche Kennzahlen für Schweizer Privatanleger besonders relevant sind.

Zuerst der Index, dann der ETF

Ein ETF ist zunächst ein Anlagevehikel. Was du wirtschaftlich kaufst, wird wesentlich durch den zugrunde liegenden Index bestimmt.

Ein ETF auf den Schweizer Aktienmarkt verfolgt ein anderes Anlageziel als ein ETF auf globale Aktien. Ein Weltindex unterscheidet sich wiederum von einem Technologie-, Dividenden-, Small-Cap- oder Schwellenländerindex.

Darum sollte die Reihenfolge immer sein:

  1. Anlageziel festlegen.
  2. Gewünschten Markt bestimmen.
  3. Passenden Index auswählen.
  4. Erst danach konkrete ETFs auf diesen Index vergleichen.

Wenn du direkt nach dem ETF mit der tiefsten TER suchst, vergleichst du möglicherweise Produkte, die völlig unterschiedliche Risiken und Märkte abbilden.

Was solltest du beim Index prüfen?

Mindestens diese Punkte:

  • Welche Länder sind enthalten?
  • Welche Unternehmen oder Wertpapiere sind enthalten?
  • Wie viele Positionen umfasst der Index?
  • Welche Unternehmensgrössen werden berücksichtigt?
  • Sind Schwellenländer enthalten?
  • Wie werden die einzelnen Positionen gewichtet?
  • Gibt es Obergrenzen für einzelne Unternehmen oder Branchen?
  • Handelt es sich um einen breiten Marktindex oder einen Themen-/Faktorindex?

Ein Index mit 1'500 Unternehmen ist nicht automatisch besser diversifiziert als einer mit 1'000 Unternehmen. Entscheidend ist auch, wie stark einzelne Länder, Branchen und Unternehmen gewichtet sind.

ETFs nur vergleichen, wenn sie dasselbe Ziel verfolgen

Ein fairer ETF-Vergleich funktioniert nur, wenn die Kandidaten denselben oder einen sehr ähnlichen Index abbilden.

Das lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen.

ETF A bildet einen globalen Industrieländerindex ab.

ETF B bildet einen Weltindex inklusive Schwellenländer ab.

ETF C investiert nur in grosse US-Unternehmen.

Alle drei können günstige, grosse ETFs sein. Trotzdem ist ein Vergleich nach dem Motto „ETF C hat die tiefste TER, also ist er am besten“ methodisch falsch.

Die Produkte haben unterschiedliche Anlageuniversen.

Sinnvoll wäre stattdessen:

Ich habe mich für Index X entschieden. Welche ETFs bilden genau diesen Index ab und welcher davon passt am besten zu meinen Anforderungen?

Erst ab diesem Punkt werden TER, Tracking Difference, Fondsdomizil und Replikation wirklich vergleichbar.

TER: Was die Kostenquote wirklich aussagt

Die Total Expense Ratio, kurz TER, ist eine der bekanntesten ETF-Kennzahlen.

Sie gibt die laufenden Kosten des Fonds als Prozentsatz des Fondsvermögens an. Diese Kosten werden nicht separat von deinem Konto abgebucht, sondern innerhalb des Fonds berücksichtigt und mindern dessen Rendite.

Ein ETF mit:

TER: 0,20 %

verursacht bei einem durchschnittlich investierten Vermögen von CHF 10'000 rechnerisch laufende Kosten von ungefähr:

CHF 10'000 × 0,20 % = CHF 20 pro Jahr

Das ist eine vereinfachte Darstellung. Der tatsächliche Wert des ETF verändert sich laufend, und die Kosten werden innerhalb des Fonds verrechnet.

Tiefer ist grundsätzlich besser, aber nicht um jeden Preis

Wenn zwei ETFs denselben Index gleich zuverlässig abbilden und sich sonst kaum unterscheiden, ist eine tiefere TER grundsätzlich attraktiv.

Aber:

Die TER ist nicht identisch mit der tatsächlichen Renditedifferenz zum Index.

Ein ETF mit 0,12 Prozent TER kann seinen Index schlechter nachbilden als ein ETF mit 0,15 Prozent TER.

Darum solltest du nicht bei der TER aufhören.

Tracking Difference: Was tatsächlich beim Anleger ankommt

Die Tracking Difference misst den Renditeunterschied zwischen ETF und Vergleichsindex über einen bestimmten Zeitraum.

Vereinfacht:

ETF-Rendite − Indexrendite = Tracking Difference

Angenommen, ein Index erzielt im betrachteten Zeitraum:

8,00 %

und der ETF:

7,82 %

Dann beträgt die Tracking Difference:

7,82 % − 8,00 % = −0,18 Prozentpunkte

Der ETF ist also um 0,18 Prozentpunkte hinter seinem Index zurückgeblieben.

Eine negative Tracking Difference ist bei Indexfonds normal, weil Kosten die Rendite belasten. Sie kann aber kleiner oder grösser sein als die ausgewiesene TER.

Warum kann die Tracking Difference von der TER abweichen?

Mögliche Ursachen sind unter anderem:

  • laufende Fondskosten
  • Transaktionskosten innerhalb des Fonds
  • Replikationsmethode
  • Steuerbelastungen auf Erträge
  • Wertpapierleihe
  • effizientes Portfoliomanagement
  • Indexanpassungen
  • Cash-Bestände
  • Swap-Kosten bei synthetischen ETFs

Deshalb ist die Tracking Difference eine besonders interessante Kennzahl, wenn du zwei ETFs auf denselben Index vergleichst.

Tracking Error: Wie konstant folgt der ETF seinem Index?

Tracking Difference und Tracking Error werden häufig verwechselt.

Die Tracking Difference zeigt, wie gross der Renditeunterschied zwischen ETF und Index über einen Zeitraum war.

Der Tracking Error beschreibt dagegen, wie stark diese Abweichung im Zeitverlauf schwankt.

Vereinfacht:

  • Tracking Difference = durchschnittliche beziehungsweise konkrete Renditeabweichung
  • Tracking Error = Schwankung dieser Abweichung

Ein tiefer Tracking Error kann darauf hinweisen, dass der ETF seinem Index relativ konstant folgt.

Für einen langfristigen Anleger ist aber nicht automatisch der ETF mit dem kleinsten Tracking Error der beste. Wichtig ist auch, wie hoch die tatsächliche langfristige Renditeabweichung ausfällt.

Vanguard weist darauf hin, dass Tracking Difference und Tracking Error unterschiedliche Informationen liefern und zusammen mit Kosten, Indexmethodik und Replikationsverfahren beurteilt werden sollten.

Historische Werte sind dabei keine Garantie für die Zukunft.

Fondsgrösse: Warum das Volumen relevant sein kann

Das Fondsvolumen zeigt, wie viel Vermögen in einem ETF verwaltet wird.

Ein grosser ETF kann Vorteile haben:

  • häufig bessere wirtschaftliche Tragfähigkeit für den Anbieter
  • oft längere Historie
  • häufig breitere Nutzung durch Anleger
  • bei bekannten Produkten meist etablierte Prozesse und Handelsstrukturen

Ein kleiner ETF ist aber nicht automatisch schlecht.

Neue ETFs starten zwangsläufig mit einem kleinen Fondsvolumen. Auch spezialisierte Produkte können trotz kleinerem Volumen langfristig bestehen.

Relevant wird die Grösse vor allem im Zusammenhang mit dem Risiko einer Fondsschliessung oder Verschmelzung.

Was passiert bei einer ETF-Schliessung?

Ein Anbieter kann einen wirtschaftlich wenig erfolgreichen ETF schliessen oder mit einem anderen Fonds zusammenlegen.

Das bedeutet nicht automatisch einen Totalverlust. Üblicherweise werden die Fondspositionen verwertet beziehungsweise die Anteile entsprechend abgewickelt oder übertragen.

Für Anleger kann eine Schliessung trotzdem unangenehm sein:

  • du musst früher als geplant neu investieren
  • es können Handelskosten entstehen
  • es kann zu steuerlich relevanten Vorgängen kommen
  • deine bisherige Strategie muss möglicherweise angepasst werden

Fondsgrösse ist deshalb ein zusätzliches Qualitätsmerkmal, aber kein starres Ausschlusskriterium.

Faustregeln wie „mindestens 100 Millionen Fondsvolumen“ können als Orientierung dienen, sind aber weder gesetzliche Schwellenwerte noch eine Garantie dafür, dass ein ETF niemals geschlossen wird.

Fondsalter: Mehr Daten, aber nicht automatisch besser

Ein älterer ETF liefert mehr historische Informationen.

Du kannst dadurch besser beurteilen:

  • wie sich die Tracking Difference entwickelt hat
  • wie stabil das Fondsvolumen ist
  • wie der ETF verschiedene Marktphasen durchlaufen hat
  • ob sich die Replikationsmethode bewährt hat

Ein neuer ETF kann trotzdem technisch sehr gut konstruiert und kostengünstig sein.

Auch hier gilt deshalb:

Fondsalter ist ein hilfreicher Kontext, aber kein alleiniges Entscheidungskriterium.

Fondsdomizil: Nicht mit Börsenplatz verwechseln

Das Fondsdomizil bezeichnet das Land, in dem der Fonds rechtlich aufgelegt ist.

Bei ETFs für europäische Privatanleger findest du häufig Domizile wie:

  • Irland
  • Luxemburg
  • Schweiz
  • Deutschland

Das Fondsdomizil beeinflusst unter anderem den rechtlichen und regulatorischen Rahmen des Fonds sowie bestimmte steuerliche Aspekte.

Für Schweizer Anleger ist besonders wichtig, vier Begriffe auseinanderzuhalten.

Fondsdomizil
≠ Börsenplatz
≠ Handelswährung
≠ geografischer Schwerpunkt des Index

Ein ETF kann zum Beispiel:

in Irland domiziliert sein
an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden
in CHF gekauft werden
einen globalen Aktienindex abbilden

Daran ist nichts widersprüchlich. Es sind schlicht unterschiedliche Eigenschaften desselben Produkts.

Regulierung in der Schweiz

Ausländische kollektive Kapitalanlagen, die in der Schweiz nicht qualifizierten Anlegerinnen und Anlegern angeboten werden, unterliegen entsprechenden Schweizer Genehmigungsanforderungen. Die FINMA führt Listen bewilligter beziehungsweise genehmigter Institute und Produkte.

Das Fondsdomizil selbst bleibt trotzdem im Ausland.

Ist Irland immer besser als Luxemburg?

Nein.

Eine solche pauschale Regel wäre zu einfach.

Das Domizil kann steuerliche Auswirkungen haben, unter anderem im Zusammenhang mit Quellensteuern auf Erträge der zugrunde liegenden Wertpapiere. Die konkrete Wirkung hängt aber vom Fonds, seinen Anlagen, seiner Struktur und der persönlichen Situation des Anlegers ab.

Die Steuerdetails behandeln wir deshalb separat und nicht als pauschale „Land-X-ist-besser“-Regel.

Replikation: Wie bildet der ETF seinen Index nach?

Ein Index ist zunächst nur eine mathematische beziehungsweise regelbasierte Zusammenstellung von Wertpapieren.

Der ETF muss diese Indexentwicklung praktisch nachbilden.

Dafür gibt es verschiedene Methoden.

Vollständige physische Replikation

Bei vollständiger physischer Replikation hält der ETF grundsätzlich alle Wertpapiere des Index entsprechend ihrer Gewichtung.

Das ist besonders gut umsetzbar, wenn der Index aus einer überschaubaren Zahl liquider Wertpapiere besteht.

Vorteile können sein:

  • leicht nachvollziehbare Struktur
  • direkte Haltung der Indexbestandteile
  • hohe Transparenz

Aber selbst vollständige Replikation bedeutet nicht, dass der ETF jeden Indexschritt ohne Kosten exakt nachbildet.

Optimierte physische Replikation

Bei sehr grossen oder weniger liquiden Indizes kann es ineffizient sein, tatsächlich jedes einzelne Wertpapier zu halten.

Dann kann der ETF nur eine repräsentative Auswahl des Index kaufen.

Diese Methode wird häufig als Sampling oder optimierte Replikation bezeichnet.

Ziel ist, mit einer kleineren Auswahl ein möglichst ähnliches Risiko- und Renditeprofil wie der gesamte Index zu erreichen.

Das kann Transaktionskosten reduzieren, gleichzeitig aber zusätzliche Abweichungen zum Index verursachen.

Synthetische Replikation

Ein synthetischer ETF bildet die Indexrendite ganz oder teilweise mithilfe eines Derivategeschäfts ab, häufig über einen Swap mit einer Gegenpartei.

Das kann besonders bei Märkten interessant sein, die physisch schwer oder teuer abzubilden sind.

Mögliche Vorteile:

  • teilweise sehr präzise Indexnachbildung
  • Zugang zu schwer zugänglichen Märkten
  • je nach Markt effizientere Umsetzung

Zusätzliche Risiken:

  • Gegenparteirisiko
  • komplexere Struktur
  • zusätzliche Swap-Kosten beziehungsweise Vertragsbedingungen

Ist physisch automatisch besser?

Nein.

Physisch ist leichter zu verstehen und für viele Anleger intuitiver. Synthetische ETFs können aber in bestimmten Märkten effizienter oder genauer sein.

Die richtige Frage ist deshalb nicht:

Physisch oder synthetisch, was ist grundsätzlich besser?

Sondern:

Welche Replikationsmethode verwendet dieser ETF, warum wurde sie gewählt und welche zusätzlichen Risiken entstehen dadurch?

Ausschüttend oder thesaurierend?

ETFs können Erträge unterschiedlich behandeln.

Ausschüttend

Ein ausschüttender ETF zahlt Erträge wie Dividenden oder Zinsen regelmässig an die Anleger aus.

Typische Kennzeichnungen im Produktnamen sind:

Dist
Dis
D
Distributing

Das Geld landet auf deinem Konto und kann:

  • ausgegeben
  • anderweitig investiert
  • oder wieder in denselben ETF investiert werden

Thesaurierend

Ein thesaurierender ETF behält die Erträge im Fonds und reinvestiert sie.

Typische Kennzeichnungen sind:

Acc
Accumulating

Das vereinfacht die Wiederanlage, weil du Dividenden nicht manuell neu investieren musst.

Welche Variante ist besser?

Das hängt von deinem Ziel ab.

Ausschüttend kann sinnvoll sein, wenn du regelmässige Zahlungen möchtest.

Thesaurierend kann praktischer sein, wenn du langfristig Vermögen aufbauen und Erträge automatisch reinvestieren möchtest.

Die Rendite entsteht aber nicht deshalb automatisch stärker, weil auf dem ETF „Acc“ steht. Entscheidend sind die zugrunde liegenden Erträge, Kosten, Steuern und die tatsächliche Wiederanlage.

Wichtiger Schweizer Steuerhinweis

Ein häufiger Irrtum lautet:

Bei einem thesaurierenden ETF werden keine Dividenden ausbezahlt, deshalb fallen darauf keine Einkommenssteuern an.

Das ist so für Schweizer Privatanleger nicht allgemein korrekt.

Bei thesaurierenden kollektiven Kapitalanlagen können die innerhalb des Fonds einbehaltenen Nettoerträge für Schweizer Einkommenssteuerzwecke trotzdem als steuerbarer Ertrag gelten. Die Eidgenössische Steuerverwaltung veröffentlicht beziehungsweise verarbeitet dafür steuerlich relevante Fondsdaten.

Die genaue Schweizer Steuerbehandlung behandeln wir in einem separaten ETF-Steuerartikel.

Handelswährung, Fondswährung und Währungsexposition

Auf ETF-Webseiten stehen oft mehrere Währungsangaben. Sie bedeuten nicht dasselbe.

Handelswährung

Das ist die Währung, in der du den ETF an einem bestimmten Handelsplatz kaufst und verkaufst.

Zum Beispiel:

CHF
EUR
USD

Ein und derselbe ETF kann an unterschiedlichen Börsen in verschiedenen Handelswährungen angeboten werden.

Fondswährung beziehungsweise Base Currency

Das ist die Rechnungs- oder Basiswährung des Fonds.

Sie dient unter anderem der Bewertung und Berichterstattung.

Währungsexposition der Anlagen

Für dein wirtschaftliches Währungsrisiko ist entscheidend, welchen Währungen die zugrunde liegenden Vermögenswerte ausgesetzt sind.

Ein globaler Aktien-ETF kann zum Beispiel zahlreiche US-Unternehmen enthalten, obwohl du ihn an der SIX in CHF kaufst.

Deshalb gilt:

Ein ETF mit CHF-Handelslinie ist nicht automatisch gegen Fremdwährungsrisiken abgesichert.

Warum kann eine CHF-Handelslinie trotzdem praktisch sein?

Wenn dein Brokerkonto in CHF geführt wird, kann eine CHF-Handelslinie den Kauf vereinfachen und je nach Anbieter unnötige Währungsumrechnungen beim eigentlichen Börsengeschäft vermeiden.

Das verändert aber nicht automatisch die wirtschaftliche Währungsexposition der Unternehmen im ETF.

Was bedeutet CHF Hedged?

Ein währungsgesicherter ETF versucht, bestimmte Wechselkursbewegungen gegenüber einer Zielwährung zu reduzieren.

Bei einer Anteilsklasse mit:

CHF Hedged

wird typischerweise versucht, bestimmte Fremdwährungseinflüsse gegenüber dem Schweizer Franken abzusichern.

Diese Absicherung ist nicht kostenlos und nicht perfekt.

Sie kann:

  • laufende Absicherungskosten verursachen
  • Tracking Difference beeinflussen
  • das Währungsrisiko reduzieren, aber nicht vollständig eliminieren

Ganz wichtig:

Währungshedging schützt nicht vor einem Rückgang des zugrunde liegenden Aktien- oder Obligationenmarktes.

Wenn der Aktienmarkt 30 Prozent fällt, macht eine CHF-Absicherung daraus keine sichere Anlage.

Liquidität: Das sichtbare Handelsvolumen reicht nicht

Bei Aktien wird häufig auf das tägliche Handelsvolumen geschaut.

Bei ETFs ist die Situation komplexer.

Ein ETF besitzt zusätzlich zum normalen Börsenhandel einen sogenannten Creation-/Redemption-Mechanismus. Vereinfacht können professionelle Marktteilnehmer ETF-Anteile erzeugen oder zurücknehmen und dafür die entsprechenden Wertpapiere liefern beziehungsweise erhalten.

Deshalb hängt die Liquidität eines ETF nicht nur davon ab, wie viele ETF-Anteile gestern direkt an der Börse gehandelt wurden.

Wichtig ist auch:

  • Wie liquide sind die zugrunde liegenden Wertpapiere?
  • Wie eng ist der aktuelle Bid-Ask-Spread?
  • Sind Market Maker aktiv?
  • Sind die zugrunde liegenden Märkte gerade geöffnet?

Ein ETF mit geringem sichtbaren Handelsvolumen ist daher nicht automatisch illiquide.

Bid-Ask-Spread: Eine oft übersehene Kostenkomponente

An der Börse gibt es normalerweise zwei Preise.

Bid beziehungsweise Geldkurs: Preis, zu dem Käufer aktuell kaufen möchten.

Ask beziehungsweise Briefkurs: Preis, zu dem Verkäufer aktuell verkaufen möchten.

Die Differenz ist der Spread.

Angenommen:

Geldkurs:  CHF 100.00
Briefkurs: CHF 100.20

Dann beträgt die Differenz:

CHF 0.20

bezogen auf ungefähr CHF 100 also rund:

0,20 %

Diese Differenz ist keine separat ausgewiesene Brokerrechnung, kann aber deine tatsächlichen Handelskosten beeinflussen.

Warum verändert sich der Spread?

Mögliche Einflussfaktoren:

  • Liquidität des ETF
  • Liquidität der Basiswerte
  • aktuelle Marktvolatilität
  • Handelszeit
  • Anzahl und Aktivität der Market Maker
  • Marktöffnung der zugrunde liegenden Börsen

An der SIX sorgen Market Maker für Geld- und Briefkurse unter definierten Anforderungen. Für jeden ETF ist mindestens ein Market Maker vorgesehen.

Wann solltest du einen ETF handeln?

Für langfristige Anleger ist der genaue Kaufzeitpunkt nicht der wichtigste Renditetreiber.

Trotzdem kann die Tageszeit beim Spread relevant sein.

Wenn ein ETF überwiegend US-Aktien enthält, können die Preise während der Überschneidung mit den geöffneten US-Märkten transparenter beziehungsweise enger sein, weil die zugrunde liegenden Wertpapiere gleichzeitig aktiv gehandelt werden.

Das bedeutet nicht, dass ein ETF ausserhalb dieser Überschneidung nicht handelbar ist. Aber die Preisbildung kann schwieriger sein und der Spread breiter werden.

Für einen normalen langfristigen Kauf gilt deshalb als praktische Regel:

Wenn möglich, handle einen ETF zu Zeiten, in denen ein grosser Teil seiner zugrunde liegenden Märkte ebenfalls geöffnet ist.

Bei automatischen Sparplänen kannst du den Ausführungszeitpunkt allerdings häufig nicht selbst bestimmen.

Wertpapierleihe: Was macht ein physischer ETF mit seinen Aktien?

Auch bei einem physisch replizierenden ETF können bestimmte Wertpapiere zeitweise verliehen werden.

Bei der Wertpapierleihe überträgt der Fonds Wertpapiere vorübergehend an einen Entleiher.

Im Gegenzug erhält der Fonds typischerweise:

  • Sicherheiten
  • eine Leihgebühr

Die Einnahmen aus der Wertpapierleihe können die Fondsrendite verbessern beziehungsweise einen Teil der Kosten kompensieren.

Gleichzeitig entsteht ein zusätzliches Gegenparteirisiko: Der Entleiher könnte seinen Verpflichtungen nicht nachkommen.

ETF-Anbieter verwenden deshalb Sicherheiten und Risikoregeln.

Bei BlackRock/iShares werden für entsprechende Fonds unter anderem Angaben zur Wertpapierleihe und zu Sicherheiten veröffentlicht.

Muss Wertpapierleihe ein Ausschlusskriterium sein?

Nicht zwingend.

Wichtiger ist Transparenz.

Prüfe:

  • Wird Wertpapierleihe eingesetzt?
  • Wie gross darf der verliehene Anteil sein?
  • Welche Sicherheiten werden verlangt?
  • Wie werden Erträge zwischen Fonds und Anbieter aufgeteilt?
  • Werden aktuelle Lending-Daten veröffentlicht?

Welche ETF-Dokumente solltest du lesen?

Marketingseiten sind praktisch, aber nicht die einzige Informationsquelle.

Für einen fundierten Vergleich solltest du zumindest die wichtigsten Produktdokumente kennen.

Factsheet

Das Factsheet bietet meist einen kompakten Überblick:

  • Index
  • TER beziehungsweise laufende Kosten
  • Fondsvolumen
  • Domizil
  • Replikation
  • Ausschüttungsart
  • grösste Positionen
  • Länder- und Branchengewichtung
  • Performance

Es ist ein guter Startpunkt.

KID / Basisinformationsblatt

Das Key Information Document beziehungsweise Basisinformationsblatt enthält standardisierte Informationen zu:

  • Produkt
  • Risiken
  • möglichen Szenarien
  • Kosten
  • Anlagehorizont
  • Zielgruppe

Es ist weniger angenehm zu lesen als ein Marketing-Factsheet, aber für den Vergleich wichtig.

Prospekt

Der Prospekt enthält deutlich detailliertere rechtliche und strukturelle Informationen.

Für einfache Standard-ETFs musst du nicht jedes Mal den gesamten Prospekt lesen. Bei speziellen Produkten, ungewöhnlichen Strategien oder offenen Fragen kann er aber entscheidend sein.

Jahres- und Halbjahresberichte

Sie zeigen unter anderem:

  • tatsächliche Bestände
  • Fondserträge
  • Kosten
  • Wertpapierleihe
  • weitere Fondsaktivitäten

Für eine vertiefte Prüfung sind sie wesentlich aussagekräftiger als ein Werbebanner mit einer TER-Zahl.

Zwei ETFs systematisch vergleichen

Angenommen, du hast dich bereits für denselben Index entschieden und zwei passende ETF-Kandidaten gefunden.

Dann kannst du nach diesem Schema vergleichen:

Tabelle horizontal scrollbar

KriteriumETF AETF BWarum relevant?
IndexgleichgleichGrundlage für einen fairen Vergleich
TERprüfenprüfenLaufende Fondskosten
Tracking DifferenceprüfenprüfenTatsächliche historische Renditeabweichung
Tracking ErrorprüfenprüfenKonstanz der Indexnachbildung
FondsvolumenprüfenprüfenWirtschaftliche Grösse und Produktstabilität
FondsalterprüfenprüfenVerfügbare Historie
FondsdomizilprüfenprüfenRechtliche und steuerliche Struktur
ReplikationprüfenprüfenArt der Indexnachbildung
ErtragsverwendungAcc/DistAcc/DistAutomatische Wiederanlage oder Auszahlung
Hedgingja/neinja/neinBehandlung bestimmter Währungsrisiken
HandelswährungprüfenprüfenPraktische Abwicklung beim Broker
SpreadprüfenprüfenDirekte Handelsqualität
WertpapierleiheprüfenprüfenZusatzertrag und zusätzliches Risiko
SparplanfähigprüfenprüfenRelevant für automatisiertes Investieren

Nicht jedes Kriterium muss gleich stark gewichtet werden.

Wenn beide ETFs denselben Index sehr gut abbilden, gross und etabliert sind und ähnliche Kosten haben, kann der praktische Unterschied klein sein.

Es ist nicht nötig, aus zwei sehr ähnlichen Produkten eine wissenschaftliche Grossentscheidung zu machen.

Beispiel für eine sinnvolle Entscheidungsreihenfolge

Eine robuste Auswahl kann so aussehen:

1. Anlageziel
   ↓
2. gewünschter Markt
   ↓
3. Index
   ↓
4. ETFs auf diesen Index
   ↓
5. TER + Tracking Difference
   ↓
6. Fondsgrösse + Alter
   ↓
7. Domizil + Replikation
   ↓
8. Acc oder Dist
   ↓
9. Handelswährung + Hedging
   ↓
10. Spread + Handelbarkeit
   ↓
11. Produktdokumente
   ↓
12. Brokerkosten und Sparplanfähigkeit

Diese Reihenfolge verhindert, dass du dich zu früh an einer einzelnen Kennzahl festbeisst.

Häufige Fehler bei der ETF-Auswahl

Nur nach der tiefsten TER sortieren

Die TER ist wichtig, aber kein vollständiges Qualitätsmass.

Tracking Difference, Index, Fondsstruktur, Handel und Steuern können ebenfalls relevant sein.

Unterschiedliche Indizes direkt vergleichen

Ein ETF auf Industrieländer und ein ETF auf die gesamte Welt inklusive Schwellenländer verfolgen nicht dasselbe Ziel.

Die Kosten allein sagen deshalb wenig aus.

Fondsdomizil und Handelsplatz verwechseln

Ein an der SIX gehandelter ETF muss nicht in der Schweiz domiziliert sein.

CHF-Handelswährung mit Währungsabsicherung verwechseln

CHF als Handelswährung bedeutet nicht automatisch CHF Hedged.

„Physisch“ pauschal als sicher und „synthetisch“ als schlecht betrachten

Beide Replikationsformen besitzen unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Entscheidend ist die konkrete Struktur.

Ausschüttend und thesaurierend nur nach Steuerannahmen auswählen

In der Schweiz können auch thesaurierte Erträge steuerlich relevant sein.

Nur auf das tägliche ETF-Handelsvolumen schauen

ETF-Liquidität hängt zusätzlich stark von den zugrunde liegenden Anlagen und dem Creation-/Redemption-Mechanismus ab.

Zu viele kleine Unterschiede überoptimieren

Wenn zwei ETFs denselben Index nahezu identisch abbilden, ähnlich günstig und ausreichend gross sind, kann der reale Unterschied über Jahre gering sein.

Ständiges Wechseln wegen einer TER-Differenz von wenigen Hundertstelprozenten kann mehr Komplexität und Transaktionskosten verursachen, als es einspart.

ETF-Auswahl-Checkliste

Vor dem Kauf kannst du diese Punkte durchgehen:

  • Ich habe mein Anlageziel festgelegt.
  • Ich weiss, welchen Markt ich abbilden möchte.
  • Ich kenne den zugrunde liegenden Index.
  • Ich weiss, welche Länder und Unternehmen im Index enthalten sind.
  • Ich vergleiche nur ETFs mit demselben oder sehr ähnlichem Anlageziel.
  • Ich habe die TER geprüft.
  • Ich habe, falls verfügbar, die historische Tracking Difference geprüft.
  • Ich kenne das Fondsvolumen.
  • Ich kenne das Fondsalter.
  • Ich kenne das Fondsdomizil.
  • Ich kenne die Replikationsmethode.
  • Ich weiss, ob der ETF ausschüttend oder thesaurierend ist.
  • Ich verwechsle Handelswährung nicht mit Währungsexposition.
  • Ich weiss, ob die Anteilsklasse währungsgesichert ist.
  • Ich habe Spread und Handelbarkeit geprüft.
  • Ich weiss, ob Wertpapierleihe eingesetzt wird.
  • Ich habe mindestens Factsheet und Basisinformationsblatt angesehen.
  • Ich habe geprüft, ob der ETF bei meinem Broker verfügbar beziehungsweise sparplanfähig ist.
  • Ich kenne zusätzlich die Kauf-, Verkaufs- und Währungsumrechnungskosten meines Brokers.
  • Ich weiss, dass auch ein gut ausgewählter ETF erhebliche Kursverluste erleiden kann.

Fazit

Die ETF-Auswahl wird deutlich einfacher, wenn du die Reihenfolge richtig setzt.

Nicht die TER steht am Anfang, sondern die Strategie.

Zuerst bestimmst du, welchen Markt du besitzen möchtest. Dann suchst du den passenden Index. Erst danach vergleichst du die ETFs, die diesen Index möglichst effizient abbilden.

Für den eigentlichen Produktvergleich sind besonders wichtig:

  • TER
  • Tracking Difference
  • Fondsgrösse und Alter
  • Fondsdomizil
  • Replikationsmethode
  • ausschüttend oder thesaurierend
  • Währungsstruktur und Hedging
  • Liquidität und Spread

Keines dieser Kriterien entscheidet allein.

Ein ETF mit minimal höherer TER kann insgesamt besser passen, wenn er seinen Index zuverlässiger nachbildet, eine für dich passendere Anteilsklasse besitzt oder bei deinem Broker günstiger und einfacher handelbar ist.

Das Ziel ist deshalb nicht, den theoretisch perfekten ETF zu finden.

Das Ziel ist ein solides, nachvollziehbares Produkt, das deine gewählte Strategie langfristig zuverlässig umsetzt.

Wenn du noch keinen Sparplan eingerichtet hast, findest du die praktische Umsetzung im Ratgeber ETF-Sparplan in der Schweiz: So startest du Schritt für Schritt.

Quellen und weiterführende Informationen

Die folgenden Quellen wurden für diesen Beitrag verwendet. Produktdaten, regulatorische Informationen und Webseiten entsprechen dem Informationsstand vom 10. September 2026 und können später angepasst werden.